Interview mit Trainer Frank Heinemann

Interview

Am kommenden Sonntag steht Trainer Frank Heinemann vor seinem letzten Spiel als Trainer des TSV Großfahner. Wir bedanken uns für sechs erfolgreiche Jahre. Danke für all die Mühe und all deine Zeit, für jedes Lachen und jedes „gebt Gas“, für all den Ansporn, für jede Träne des Glücks und jeden Moment der ewig hält! Mit uns blickt der bis dato erfolgreichste Trainer der Vereinsgeschichte auf die gemeinsamen Erfolge zurück, spricht über das Verhältnis zu seinem „Heimatverein“ und die aktuellen Entwicklungen im Profifussball

Hallo Frank, wie zufrieden bist du mit der Rückrunde?

Frank: Ich bin mit dem bisherigen Saisonverlauf sehr zufrieden. Vor allem in den Auswärtsspielen haben wir in den letzten beiden Jahren wenig überzeugt, was es zu verbessern galt. Das ist uns im Laufe der Saison trotz einiger Schwierigkeiten  gelungen und ich hoffe in Zukunft unterstützen uns wieder etwas mehr Zuschauer bei den Auswärtsspielen. Die Mannschaft hat sich in den letzten Monaten spielerisch gesteigert und sich weiterentwickelt. Taktisch sind wir variabler als noch in der Hinrunde und auch beim Gegenpressing und Kontern haben wir uns verbessert. Es waren aber auch zwei, drei schwarze Spieltage dabei, an denen wir schlecht gespielt haben. Gerade in diesen Spielen fehlten uns in der letzten halben Stunde der Biss und die Fitness. Ich bin überzeugt, mit einer besseren Trainingsbeteiligung würden wir in der Tabelle weiter oben stehen.

Hattest du Heino2vor ihr mehr Respekt, weil es deine letzte als Trainer der 1.Mannschaft sein würde?

Frank: Vom Sportlichen her grundsätzlich nicht, vom Emotionalen her schon. Es gibt besondere Momente. Zum Beispiel wenn dir bewusst wird, dass das gerade eben dein letztes Heimspiel vor eigener Kulisse war. Mit jedem Spiel geht es ein Stück weiter Richtung Ende zu.Mein erstes Spiel als Trainer fand vor sechs Jahren in Günthersleben statt, nun endet ein langes Kapitell an jenem selben Ort. Damit schließt sich der Kreis und so wird es  auch emotional etwas Besonderes.

Warst du eigentlich in der Nachfolger-Frage mit eingebunden?

Frank: Ich habe meinen Rat immer angeboten, auch im Gespräch mit dem Vorstand. Mit Marcel hat der Verein den bestmöglichen Nachfolger gefunden und wenn das alles so gelingt wie wir uns das vorstellen, wird das eine super Sache.

Hast du bereits Pläne, wie es für dich weitergehen soll?

Frank: Während der Sommerpause werde ich zunächst die Zeit mit meiner Familie genießen und versuchen ein paar Wochen Abstand zum Fussball zu gewinnen. Ab der neuen Saison werde ich mit Dominic Schneider die neue Bambinimannschaft betreuen, in der auch mein 4-Jähriger Sohn Felix mitspielen wird. Auf diese Aufgabe freue ich mich schon sehr. Zudem werde ich mit Thomas Lipprandt die Zweitvertretung trainieren und als Bindeglied zwischen beiden Mannschaften fungieren.

Als Spieler warst du für Fahner Höhe und TV Elxleben aktiv. Beim TSV Großfahner als Spieler, wie auch als Trainer. Was macht den TSV für dich zu etwas besonderem?

Frank: Für mich wird der TSV immer mein Herzensverein und eine Herzensangelegenheit sein. Ich habe hier die Hälfte meines Lebens verbracht, habe viele interessante und nette Leute kennengelernt und unglaublich viel gelernt. Als Spieler habe ich hier ganz früh die Möglichkeit bekommen in den Männerbereich hineinzuschnuppern. Damals hatte der Verein noch ganz andere Möglichkeiten als heute, demzufolge waren das nicht selbstverständliche Entscheidungen. Auch über die Jahre als Trainer hat man  mich immer in Ruhe arbeiten lassen und ich habe immer ein extremes Vertrauen gespürt. Ich glaube auch, dass sich die Wahrnehmung des Vereins verändert hat. Nach der Neugründung 2006 haben uns viele belächelt, die gibt es eh nicht lange bekamen wir oft zu hören. So etwas schweißt zusammen. Mittlerweile haben aber viele mitbekommen das es hier nicht primär um den sportlichen Erfolg geht, sondern um einen Dorfverein mit viel Herzblut. Daher sind wir bei vielen inzwischen gern gesehen.

„Ich habe Momente erlebt, die ich nie vergessen werde!“

Wie blickst du auf deine Zeit als Trainer zurück?

Frank: Meine Mannschaft hat öfter gewonnen als verloren. Es war eine tolle Zeit und ich habe Momente erlebt, die ich nie vergessen werde. Aber ich denke es ist der richtige Moment für eine Veränderung. Die Mannschaft hat sich in der Liga etabliert und muss nun den nächsten Schritt gehen. Marcel hat die Möglichkeit mit seinem Training und Innovationen der Mannschaft einen Push zu geben, damit sie sich weiter steigern kann.

Heino4Gibt es einen besonderen Moment an den du dich gern zurück erinnerst?

Frank: Da fällt mir auf Anhieb der Aufstieg in die Kreisliga ein. Wir sind mit 4 Siegen am Stück gut in die Saison gestartet waren dann aber gegen Mitfavorit Apfelstädt und Friemar unterlegen. Nachdem wir dann auch noch in Mühlberg und beim Jahresabschluss im eigenen Stadion gegen Eintracht Gotha verloren hatten, war die Stimmung auf dem absoluten Tiefpunkt. In der Rückrunde rückte die Mannschaft enger zusammen, auch auf Grund der Ergebnisse. In Wangenheim sicherte uns in letzter Minute eine riesen Parade 3 wertvolle Punkte, kurz darauf ein Sonntagsschuss einen Heimsieg über Spitzenreiter Apfelstädt. Diese 6 Punkte waren der Startschuss für 12 Siege in Serie und der Grundstein für den späteren Aufstieg.

Junge Trainer träumen meist von höheren Aufgaben. Du auch?

Frank: Darüber mache ich mir eigentlich keine Gedanken. Es gab immer mal wieder Anfragen von anderen Vereinen, auch mit finanzieller Entschädigung, aber das war mir nie wichtig. Es schmeichelt natürlich aber auch, wenn ein anderer Verein deine Arbeit wertschätzt. Was die Zukunft bringt wird sich zeigen. Wenn ich in ein paar Jahren meine Schuhe an den Nagel hänge, kann ich mir durchaus vorstellen voll ins Trainergeschäft einzusteigen.

Trainer wie Dieter Hecking oder Bruno Labbadia kritisierten in den vergangenen Wochen den Umgang mit Trainern. Wie bewertest du die Situation?

Frank: Was da stellenweise abgeht ist schon unglaublich. Was Trainer sagten war früher Gesetz, da bissen nörgelnde Spieler beim Vorstand auf Granit. Ein Trainer wurde frühestens im April entlassen, außer er hatte vorher dem Präsidenten auf den Teppich gespuckt.  Diese Entwicklung ist schon besorgniserregend und wird in den nächsten Jahren kaum besser werden.

 Aber nicht nur über den Umgang mit Trainern wurde stark diskutiert. Der moderne Fussball und seine Veränderungen stehen immer wieder heftig in der Kritik. Zurecht? Und hat das möglicherweise sogar Einfluss auf den Amateurbereich?

Frank: Der Fussball ist in den letzten Jahren viel schneller geworden. Die Zeiten eines klassischen Spielmachers sind fast vorbei, das kann man auch in der Bundesliga beobachten. Den Videobeweis bräuchte ich nicht. Fehlentscheidungen gehören zum Spiel und werden trotz der vorhandenen Technik nicht auszuschließen sein. In seiner jetzigen Form  nimmt er dem Spiel seinen Fluss und ist ein absoluter Emotionskiller.  Außerdem müsste eine einheitliche Auslegung geschaffen werden, vor allem beim Thema Handspiel blickt doch keiner mehr durch. Die Schere zwischen reichen und armen Vereinen geht immer weiter auseinander, dadurch entfremdet sich der Fussball seiner Basis. Eine weitere Gefahr ist die Fülle der Spiele. Es gibt rund um die Uhr Spiele, Übertragungen und Berichte, das begeistert dann den einen oder anderen vielleicht nicht mehr so. Da sucht man sich etwas Neues. Diesen Trend spüren wir bereits im Amateurbereich deutlich. Es gibt aktuell ein Vereinssterben wie nie zuvor und wenn man sich im Jugendbereich umschaut, gibt es kaum noch eigenständige Jugendabteilungen.

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