Schiedsrichter-Special „ Collinas Erben“

SchiedsrichterinterviewFranz Kopka und Arnold Fügner sind seit einem Jahr Schiedsrichter für den TSV. Zusätzlich kicken die beiden  bei den C-Junioren. Im Interview sprechen die beiden 14-jährigen über Fehlentscheidungen, ihre bisherigen Erfahrungen als Jungschiedsrichter, sowie ihre persönliche Zukunft.

Bereits seit eurem 5. Lebensjahr spielt ihr Fußball, seit 2017 lauft ihr nebenbei als Schiedsrichter für den TSV auf. Warum habt ihr euch dafür entschieden, Schiedsrichter zu werden?

Arnold: Ich wollte etwas Neues kennenlernen und zufällig suchte der TSV zu diesem Zeitpunkt dingend neue Schiedsrichter. Das hat meine Entscheidung vereinfacht. Als Spieler erlebt man Spiel für Spiel die Entscheidungen der Schiedsrichter hautnah mit und hat dazu seine eigene Meinung, welche nicht immer übereinstimmt. Ich wollte mich in die Lage eines Schiedsrichters versetzen und selbst erleben, wie schwierig die Leitung eines Spiels wirklich ist.

Franz: Den Gedanken Schiedsrichter zu werden hatte ich bereits mit 12 Jahren. Leider liegt das Mindestalter einer Schiedsrichterausbildung in Thüringen bei 14 Jahren und so musste ich mich etwa zwei Jahre gedulden. Ich mag es, als Spielleiter wichtige Entscheidungen zu treffen und beiden Mannschaften ein faires Spiel zu ermöglichen.

Schiri-2Wenn ihr euch entscheiden müsstest, Fußballer oder Schiedsrichter?

Franz: Ich würde mich vermutlich für den Schiedsrichter entscheiden. Die Wahrscheinlichkeit höherklassig pfeifen zu können schätze ich größer ein, als jemals höherklassig spielen zu können.

Arnold: Ich sehe das ähnlich wie Franz. Hinzu kommt das mir das Pfeifen aktuell mehr Spaß macht und ich nebenbei sogar noch etwas Taschengeld mit diesem Hobby verdienen kann.  

Schiedsrichter gelten oftmals als Buhmänner, ein notwendiges Übel, aber auch als wichtiger Bestandteil jedes Spiels.  Wie sind eure Erfahrungen bzw. habt ihr bereits negative Erlebnisse erfahren müssen?

Arnold: Es kommt schon vor das so Sprüche wie „bist du blind“ oder „setz die Brille auf“ kommen, aber schwere Beleidigungen oder gar Ausschreitungen habe ich bisher nicht erleben müssen. Fußball ist eine sehr emotionale Sportart, doch haben Beleidigungen und Handgreiflichkeiten hier nichts verloren und werden dem Regelwerk entsprechend bestraft.

Franz: Ich versuche im Jugendbereich vieles laufen zu lassen und das Spiel nicht wegen den kleinsten Aktionen zu unterbrechen. Bisher musste ich nur wenige Spieler und Trainer ermahnen, eine rote Karte musste ich glücklicherweise noch nie vergeben.

Schiri-4Wie geht ihr mit Fehlentscheidungen im Nachhinein um?

Franz: Menschen machen Fehler und ich als Schiedsrichter auch. Man ärgert sich natürlich über Fehlentscheidungen, aber man kann diese nicht mehr rückgängig machen. Ich versuche normal weiter zu machen und mich nicht verunsichern zu lassen. Es kam aber auch schon vor das ich mich noch Tage später über Entscheidungen ärgere.

Arnold:  Fehlentscheidungen gehören zum Leben als Schiedsrichter dazu. Für uns trifft das sicher noch etwas mehr zu. In unserer jetzigen Phase geht es  gar nicht darum immer die richtigen Entscheidungen zu treffen, sondern Erfahrungen zu sammeln und an Sicherheit zu gewinnen. Daher versuche ich auch den Fehlentscheidungen positives abzugewinnen. Dennoch habe ich den Anspruch, Fehler auf ein Minimum zu reduzieren.

Wie bereitet ihr euch als Schiedsrichter auf ein Spiel vor? Gibt es da spezielle Dinge?

Franz / Arnold: In der Regel packen wir unsere Tasche am Vortag und versuchen einige Informationen über die Teams, die spielen, zu sammeln. Anhand von Ergebnissen und Tabellen wissen wir z.B. ob es sich um ein Derby handelt oder ein enges Spiel bevorsteht. Auf diese Art und Weise kann man sich auf die Partie ein bisschen besser einstellen.

Ihr habt die Chance – welche Regeländerung würdest du einführen?

Franz: Keine…! Zumindest fällt mir keine ein. (lacht)

Arnold: Der Fußball ist doch perfekt wie er ist.

Technische Hilfsmittel – ja oder nein?

Franz: Definitiv ja! Allerdings muss der Spielfluss erhalten bleiben.

Arnold: Ich denke auch, alles was uns Schiedsrichter hilft, sollte erlaubt sein. An der aktuellen Umsetzung muss allerdings noch gearbeitet werden.

Schiri5Mit Thomas Ströhl steht euch ein erfahrener Schiedsrichter zur Seite, ist das ein Vorteil für euch und habt ihr einen Ratschlag für junge Schiedsrichter?

Franz: Thomas feiert im kommenden Jahr sein 25-jähriges Schiedsrichterjubiläum, jemanden mit dieser immensen Erfahrung an der Seite zu haben hat uns den Einstieg vereinfacht. Die ersten Spiele sind alles andere als leicht, da tut es gut wenn jemand wie Thomas an der Seitenlinie steht. Seine positiven Aspekte versuche ich herauszufiltern und auf meine Spielleitung zu übertragen.

Arnold: Man liest so oft von Unsportlichkeiten und Tätlichkeiten gegenüber Unparteiischen. Das hält bestimmt einige davon ab, eine solche Ausbildung zu machen. Wenn ihr aber Interesse am Schiedsrichterwesen habt, solltet ihr unbedingt in die Vereine gehen und die Schiedsrichterausbildung machen.  Bleibt eurem SR-Hobby treu, lernt aus Fehlern und geht gestärkt aus Rückschlägen hervor!

Lasst uns zum Abschluss etwas in die Zukunft blicken. Was für Ziele habt ihr euch für die Zukunft als Schiedsrichter gesetzt?

Arnold:  Die Champions Leaque wäre ein Traum (lacht). Da will man als Schiri natürlich hin. In erster Linie wünsche ich mir für die Zukunft, weiterhin Spaß am Pfeifen zu haben. Natürlich verfolge ich aber auch einen Traum, zu dem der Weg aber noch weit ist.

Franz: In den kommenden Monaten möchte ich mich weiterentwickeln und an meinem Fitnessstand arbeiten. Ich möchte jedes Spiel bestmöglich leiten und wie hoch es am Ende gehen wird, wird sich zeigen.

Dem ist nichts hinzuzufügen…! Vielen Dank für eure Zeit und das tolle Gespräch. Ich hoffe, ihr bekommt die Gelegenheit euch in Ruhe weiterzuentwickeln und wünsche euch für die Zukunft alles Gute!