Vizepräsident Sven Kopka über den schwierigen Neuanfang

Interview-Sven

TSV Vizepräsident Sven Kopka spricht im Interview über den schwierigen Neuanfang in Großfahner, kleine Schritte auf dem Weg zurück in die Kreisliga und seine Vision eines neuen TSV‘s.

Nach einem turbulenten Jahr voller Höhen, verbunden mit dem Aufstieg in die Kreisliga, ist beim TSV längst noch keine Ruhe eingekehrt. Mit 36 Punkten aus 13 Begegnungen spielten unsere Jungs eine phänomenale Rückrunde und blieben im Jahr 2016 gar noch ungeschlagen. Eine ordentliche Ausbeute, doch das soll erst der Anfang sein. Im Interview spricht unser Vizepräsident Sven Kopka über den schwierigen Start, seine Ziele für die Zukunft und ein neues Leitbild, welches den TSV prägen soll.

Hallo Sven, unsere Jungs trainieren zwei mal die Woche, wie steht es mit dir, betreibst du als Ausgleich noch sportliche Aktivitäten?

Sven: Leider nicht mehr, alt werden ist einfach schei…! (lacht)

Nach nur wenigen Jahren „FC Fahner Höhe 03“ erfolgte recht schnell die Trennung, zu diesem Zeitpunkt stand Großfahner ohne Sportverein da, woher kam die Idee einen neuen Sportverein zu gründen und wie verlief die Umsetzung?

Sven: Die Idee hatte unser Präsident Thomas Franke. Damals bestanden die A-Junioren von „Fahner Höhe 03“ fast ausschließlich aus Fahnerschen Spielern. Warum also nicht um die Mannschaft rum bauen? Die Gründungsversammlung im Dezember 2006 verlief sehr positiv, doch schon bald stellten sich die ersten Schwierigkeiten ein. Um in das Vereinsregister eingetragen werden zu können mussten wir zunächst unsere Satzung überarbeiten. Ohne den juristischen Beistand von Monika Tippelhofer hätten wir es wohl nicht mehr rechtzeitig zur neuen Saison geschafft und der Spielbetrieb hätte um ein Jahr verschoben werden müssen. Auch „TSV 1862“ durften wir uns nicht mehr nennen. Was damals noch kurz nach der Wende möglich war, ging 10 Jahre später plötzlich nicht mehr. Ausschlaggebend war die Forderung nach exakten Nachweisen dieser Zahl, was uns leider nicht möglich war. Kurz nach der Gründung gab es ein Treffen mit dem Vorstand des „FC Fahner Höhe 03“. Inhalt dieses Treffens sollte eigentlich die Zusammenarbeit im Nachwuchsbereich sein, stattdessen wurde uns jedoch lang und breit erklärt, dass es unseren Verein eigentlich nicht geben dürfte. Leicht gestaltete sich hingegen die Trainersuche. Die plumpe Frage nach der Aufgabe beantwortete Thomas Liebetrau mit einem „Ja“, den Co-Trainerposten hatte ich zunächst übernommen, musste ihn jedoch später aus Zeitgründen wieder abgeben.

Im Dezember werden wir bereits 10 Jahre alt, wie würdest du den bisherigen Weg des Vereins beschreiben?

Sven: Ich würde doch ein positives Fazit ziehen. Seit der Neugründung 2006 konnten wir 3 Aufstiege feiern, in der nun abgelaufenen Saison gelang uns gar der Sprung in die Kreisliga, wer hätte das vor der Saison erwartet? Dazu muss man auch sagen, zwei Männermannschaften ohne Spielgemeinschaft findet man nur noch sehr selten, ähnlich sieht es im Nachwuchsbereich aus. In den letzten Jahren konnten wir mit zwei Juniorenmannschaften am Spielbetrieb teilnehmen, ab der kommenden Saison werden es bereits drei Juniorenmannschaften sein. Außerdem werden wir mit Hilfe von Kenny Lorenz die Bambinis wieder ins Leben rufen. Die Entwicklung geht demzufolge immer weiter, lediglich beim Thema Schiedsrichter stellen sehe ich gravierende Probleme, so dass uns in der kommenden Saison möglicherweise ein Punktabzug drohen könnte.

Bevor man sich 2003 mit Dachwig zum „FC Fahner Höhe 03“ zusammenschloss, gab es den TSV 1862 Großfahner, worin würdest du sagen unterscheidet sich der TSV 1862 gegenüber dem neuen Verein?

Sven: Ganz klar in der finanziellen Ausrichtung. Der TSV 1862 lebte viele Jahre über seinen Verhältnissen und gab mehr Geld aus, als er einnahm. Heute ist das ganz anders. Wir haben nicht die ganz großen finanziellen Möglichkeiten, aber dennoch ist der Verein wirtschaftlich kerngesund aufgestellt. Jeder Spieler der zu uns wechselt kommt freiwillig und trägt das Trikot aus Leidenschaft zum Sport, oder dem Verein. Egal ob Leistungsträger oder Reservespieler, finanzielle Zuwendungen gibt es bei uns nicht. Jeder bringt sich so gut ein wie er nur kann, auch wenn ich mir bei dem ein oder anderen noch mehr Engagement wünschen würde, dass ist aber völlig normal.

Gab es seit der Neugründung 2006 Ereignisse, die dir besonders im Gedächtnis geblieben sind? Oder gab es gar Entscheidungen die du vielleicht bereust und heute anders angehen würdest?

Sven: Definitiv. Da fällt mir sofort das erste Training am 16.März 2007 ein. Damals waren mehr Zuschauer als Spieler da. Die meisten Besucher waren neugierig, konnten dass mit dem neuen Verein und einer eigenen Mannschaft wohl gar nicht richtig glauben. Leider sind damals aber viele Spieler wieder recht schnell abgewandert, die 3.Kreisklasse war eben auch nicht sonderlich attraktiv. Allerdings kehrten auch ehemalige Spieler aus anderen Vereinen zurück, beispielsweise Frank Heinemann und Marcel Krieghoff (ehemals Knape), welcher auch heute noch für uns spielberechtigt wäre. Man trifft natürlich auch nicht immer nur die richtigen Entscheidungen, aber in der Masse sollte man nicht zu oft daneben liegen. Wir hatten vor einigen Jahren in der F-Jugend eine Spielgemeinschaft mit der damaligen SG Tonna. Was Holger Weis und ich damals alles erleben durften, möchte ich hier nicht im Einzelnen wiedergeben. Ich sage nur: nie wieder! Das betrifft aber ausdrücklich nicht alle Sportfreunde, mit denen wir damals zu tun hatten.

Neben der Position als Vizepräsident bist du im Verein auch als F-Jugendtrainer aktiv. Wie du vorhin bereits angedeutet hast, bewertest du die Entwicklung im Juniorenbereich sehr positiv, aber ist der Abstand der Nachwuchsmannschaften bis hoch in die Männermannschaften eventuell zu groß und könnte dies früher oder später zu Problemen führen?

Sven: Es geht nur mit kleinen Schritten, denn als wir anfingen hatten wir nicht einen einzigen Jugendspieler. Unser langfristiges Ziel ist es natürlich junge Talente zu fördern, statt teure Neuverpflichtungen vorzunehmen. Man muss aber sehen, was davon umsetzbar ist. Wenn wir von eigener Nachwuchsentwicklung sprechen, geht es um einen Zirkel von sieben, acht oder gar mehr Jahren. Man kann also nicht erwarten, dass demnächst nur noch 18- oder 19-jährige Spieler aus Großfahner und der Region bei uns spielen. Die ersten Spieler aus dem eigenen Nachwuchs könnten in vier oder fünf Jahren im Männerbereich ankommen, bis dahin müssen wir mit punktuellen Verstärkungen arbeiten. Diese müssen allerdings wie schon beschrieben sportlich und menschlich zu uns passen.

Werfen wir doch mal einen Blick in die Zukunft, wo steht der Verein in 10 Jahren? Gibt es bestimmte Pläne oder Wünsche?

Sven: Für mich steht das Wort „Verein“ im Vordergrund. Bei über 120 Mitgliedern kann man es sicherlich nicht immer jedem Recht machen, aber man kann es versuchen. Pläne gibt es keine konkreten, ich würde mir aber wünschen wollen, dass der Verein auch in Zukunft wirtschaftlich gesund aufgestellt bleibt. Außerdem würde ich mir wünschen, dass wir eigenständig bleiben können. Das ganze Fusioniere klappt doch in der Regel überall nicht wirklich. Das betrifft den Männerbereich, sowie den Nachwuchsbereich.

Kehren wir zu aktuellen Ereignissen zurück, die erste Mannschaft holte nach einer phänomenalen Rückrunde die Vizemeisterschaft der 1.Kreisklasse. Eine Überraschung für dich?

Sven: Nach den letzten beiden Heimspielen 2015 schon. Eigentlich müssen wir den Zuschauern für die damalige Leistung heute noch Schmerzensgeld zahlen (lacht). Aber die Mannschaft hat es mit dieser einmaligen Rückrunde zurückgezahlt. Positiv und schnell haben sich unsere Neuzugänge in die Mannschaft integrieren lassen und auch die Rückkehr von Marius Henniger spielte eine tragende Rolle. Ein 40-jähriger läuft nun mal nicht doppelt so schnell wie ein 20-jähriger. Kompliment aber auch an Trainer Frank Heinemann, der vor allem gegen die Großen der Liga mit taktischer Raffinesse umzugehen und seine Mannschaft auf den Punkt genau einzustellen wusste.

Neben der Vizemeisterschaft gelang der Mannschaft auch der Aufstieg, womit die Jubiläumssaison in der Kreisliga stattfinden wird. Was sind deine Erwartungen für die neue Saison? Und wird der Verein in der Kreisliga mehr investieren müssen bzw. sogar mehr Sponsoren benötigen, um die Entwicklung weiter vorantreiben und handlungsfähig bleiben zu können?

Die 1.Mannschaft wird sich zunächst an die neuen Bedingungen und die veränderte Atmosphäre gewöhnen müssen. Das wird etwas Zeit brauchen. Als Aufsteiger kann somit nur das Ziel Klassenerhalt lauten. Den Kindern unserer Juniorenmannschaften wünsche ich viel Spaß am Spiel, da ist die Platzierung nicht überaus wichtig. Viel wichtiger ist es den Spaß am Fußball zu vermitteln und am Leben zu halten. Dennoch möchten die Jungs und Mädels natürlich auch gewinnen, weswegen der aktive Nachwuchs ab der kommenden Saison auch zweimal die Woche trainieren wird. Mein Dank an dieser Stelle gilt allen Trainern und Betreuern, berufsbedingt ist dass alles für niemanden allein zu stemmen. Investieren müssen wir in der Kreisliga auf alle Fälle deutlich mehr. Allein die kosten der Schiedsrichter werden sich durch die hinzukommenden Linienrichter verdreifachen und auch im Nachwuchsbereich werden durch eine weitere C-Juniorenmannschaft weitere Kosten hinzukommen.

Kommen wir zur Schlussfrage. 10 Jahre TSV Großfahner – Wie lautet dein bisheriges Fazit?

Auf alle Fälle positiv, wer hätte vor 10 Jahren gedacht das wir heute sportlich als auch wirtschaftlich so gut dastehen würden? Hätte Thomas Franke das Ding damals nicht angeschoben, könnten heute mindestens 4 Rinder auf dem Sportplatz weiden oder die „Freunde“, die die Fahner Höhe sehen können hätten zwei beleuchtete Plätze zum trainieren. Fußball gespielt würde in Großfahner dann sicher aber nicht mehr.

Dann bedanke ich mich ganz herzlich, dass du dir die Zeit genommen hast uns so ausführlich Rede und Antwort zu stehen. Ich denke viele werden den Weg des Vereins weiterhin gespannt verfolgen und konnten so einen etwas tieferen Einblick gewinnen. Alles Gute und weiterhin viel Erfolg.